Späte Versöhnung

u1_978-3-651-00051-3.38014010Rezension zu „Geheimer Ort“ von Tana French

Im fünften Fall von Tana French muss Detective Stephen Moran, den ich bereits aus „Sterbenskalt“ kenne, mit Detective Antoinette Conway zusammenarbeiten. Conway wird von ihren Kollegen als humorlos, hart und unnahbar bezeichnet und ist die Ermittlerin, die mir mit Abstand am unsympathischsten ist.

Im elitären Mädcheninternat St. Kilda gibt es einen ungelösten Mordfall. Chris Harper vom benachbarten Colm ist im Park erschlagen worden und Conway ist es bisher nicht gelungen diesen Fall aufzuklären, was an ihrer Frustration einen erheblichen Anteil hat. Holly Mackey, ebenfalls aus „Sterbenskalt“ bekannt, ist hier Schülerin und bringt Moran eine Karte mit einem Bild von Chris und der Aufschrift: „Ich weiss wer ihn getötet hat“, die sie vom Schwarzen Brett ihrer Schule genommen hat. Moran gibt diese Information an Conway weiter, in der Hoffnung so einen Fuß in die Tür zu seinem begehrten Morddezernat zu bekommen. Gnädigerweise nimmt Conway ihn mit zu den Ermittlungen ins St. Kilda, wohl auch, weil sie seit ihrer Pleite keinen Partner mehr hat. Schnell wird klar, dass als Täter nur eins von acht Mädchen infrage kommt, die in zwei Cliquen „organisiert“ sind. Es entwickelt sich eine zunehmend spannende Geschichte um Freundschaft, erste Liebe, Treue und Verrat. Und um die fremde und seltsame Welt in einem Internat.

Wie alle Romane von Tana French hat auch diese Geschichte eine gewisse Anlaufzeit. Man wird aber stetig hineingezogen in eine fremde und seltsame Welt mit vielen Hallos und OhmeinGotts. Die Handlung hat zwei Erzählebenen, eine aus der Sicht der Mädchen bis zu Chris‘ Tod und eine für die Ermittlungen der nach wie vor unsympathischen Conway und des fast schon schüchternen Moran, der in seinem Versuch, endlich ins Morddezernat zu kommen, irgendwie rührend wirkt. Beide Erzählebenen wechseln sich kapitelweise ab.
Die Verdächtigen schwinden im Laufe der Handlung und es bleibt schließlich nur Hollys Clique. Erst nach einem packenden Finish bricht die Fassade auf und die Welt der Mädchen versinkt zunächst in der Verzweiflung bevor sie wieder an Normalität gewinnt. Dieses Finish hat mich auch mit Conway versöhnt, die zum Schluss eine erstaunliche Menschenkenntnis an den Tag legt und mir doch noch sympathisch wird.

Mein Fazit:
Nicht mein Lieblingsbuch von Tana French, das ist und bleibt „Sterbenskalt“, aber eine sehr gute Story. Die Autorin versteht es meisterlich die einzelnen Charaktere so aufzubauen, dass man wunderbar in ihre Welt eintauchen kann. Ich wusste bis zum Schluss nicht, wer der Täter ist und war doch betroffen, weil ich alles so gut verstehen und nachvollziehen konnte. Ein spannendes und sehr lesenswertes Buch, für das ich 5 Sterne vergebe.

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